Nun, ich weiß viele nehmen das Blogger-Dasein nicht ernst. Wie denn auch? Da steht jemand auf der Straße und posiert in einem Outfit, das man als Außenstehender – wenn überhaupt erst in einem Jahr verstehen wird und tut dabei so als wäre er/sie nur zufällig von der Kamera erfasst worden.
Ich kann euch nicht einmal übel nehmen, dass es schwer fällt dieses Blogger-Ding zu kapieren, aber ich garantiere euch das sind auch nur Menschen und sie haben es teilweise auch nicht ganz so leicht wie es scheint.
Denn im Grunde sind sie meist nur Youngsters, die sich selbst verwirklichen möchten und das in einer Welt in der es als „normal“ gilt einen 9-to-5-Job zu haben, bei dem regelmäßig Kohle rein kommt, man versichert ist und die Steuern vom Gehalt abgezogen werden.
Aber ich bin nicht hier, um über das Blogger-Dasein zu jammern. Bin ich ja nur teilweise betroffen, weil ich ja auch einen Vollzeitjob habe, der die oben genannten Kriterien erfüllt. Ich will viel mehr die Fragen beantworten, die mir und vielen meiner Blogger-Homies immer wieder gestellt werden.

Ich weiß natürlich, dass die wenigsten es böse und so herablassend meinen, wie es rüber kommt, wenn sie mir gewisse Fragen stellen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es immer die selben (teilweise unverschämten) Dinge sind, die gefragt werden. Dabei gibt es so viel Spannendes, das ich wissen wollen würde, wenn ich keinen Einblick in die Welt der Bloggersphäre hätte. Aber okay, bevor ich hier ein Interview mit mir selbst anreiße, fasse ich lieber kurz einmal zusammen, was die Fragen sind, die mich regelmäßig den letzten Nerv kosten und die ich auch in Zukunft nicht mehr beantworten werde. Here we go:
1. „Was ist ein Blogger?“

Ja, ja, ihr glaubt jetzt wahrscheinlich wieder, dass ich übertreibe. Aber das tue ich nicht. Letztens hat mich das wirklich jemand gefragt und ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Wo beginnt man am besten? Bei der Offenbarung, dass sich das Internet doch durchgesetzt hat?! Spaß! Letztendlich habe ich erklärt, dass Menschen virtuelle Tagebücher im Internet haben, die jeder lesen kann.
Und dass es das für viele verschiedene Sparten gibt, wie Kulinarik, Mode, Musik, Beauty, Sport, usw…
Ich bin mir sicher, dass der nette Fahrer, der mein Gespräch von dem Stepford Husband und mir belauscht hat, keine Ahnung hatte wovon ich spreche… Ganz sicher sogar.

 

 

 

2. „Und davon kann man leben?“

Das ist ja sowieso die unverschämteste Frage von allen. Nicht nur, weil sie wahnsinnig indiskret ist, sondern weil sie in Wahrheit, das, was man als Blogger leistet, herunter spielt.
Schon klar, es gibt so manch Blogger deren Daseinsberechtigung fraglich ist; aber jetzt mal ganz ehrlich, wer von euch hat ihn nicht, den einen Arbeitskollegen bei dem ihr euch fragt, wie er/sie überhaupt zu diesem Job gekommen ist. Bei Bloggern ist es nicht anders.
Allerdings gibt’s auch ein paar außergewöhnliche. Ein paar gute, ein paar lustige, ein paar mutige, ein paar individuelle und ein paar talentierte. Nicht alle können von ihrem Blogger-Dasein leben, aber die Tendenz steigt.
Um vom Bloggen leben zu können, muss man nämlich ab und zu Kompromisse eingehen. Wobei der Ausdruck „Kompromiss“ fast frech eingesetzt ist, wenn man bedenkt, dass man dafür bezahlt wird Produkte zu präsentieren, für die so manch Mensch einiges geben würde, um sich damit ablichten zu lassen. Es gibt also mehr als genug „Influencer“, die von ihrem Blog leben können.
Und trotzdem ist das Leben als Blogger für viele kein Ponyhof. So weit, so gut … oder auch nicht!

 

 

 

3. „Und wie viel verlangt man da?“

Gegenfrage: Wie viel verdienst du?

 

 

 

4. „Kennt ihr euch unter einander alle?“

Nein, teilweise will man sich auch nicht kennen. Das ist aber auch in Ordnung.
Ich habe ja auch das Gefühl, dass Blogger gerade wie Pilze aus dem Boden schießen und dass ich mich bei den PR-Events immer öfter frage, wer diese jungen Mädchen sind und warum die sich alle so ähnlich sind. No shade! (Mehr dazu in Punkt 5.)

 


 

 

5. „Versteht ihr euch alle?“

Wie soll denn das funktionieren!? Das ist wie wenn man in einem riesigen Unternehmen arbeitet und jeden mag.
Ich kann also nur von mir sprechen: Ich mag nicht jeden Blogger. Ganz im Gegenteil: Die, die glauben sie scheißen Rosen und sind etwas besseres, weil sie 100000e Follower auf irgendeiner Socialmedia – Plattform haben oder die sich etwas darauf einbilden sich Blogger zu nennen, lösen bei mir höchstens Brechreiz aus.
Ich hänge lieber mit der bodenständigen Crew ab, die weiß was sie kann, schon ein paar coole Sachen gemacht hat und normal geblieben ist ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Davon gibt’s übrigens ein paar in Österreich…

 


 

 

6. „Bekommt ihr viel geschenkt!“

Ehrlich gesagt schon – zumindest die, die sich schon einen Namen in der „Szene“ gemacht haben. Umso bekannter und größer ein Blog, umso mehr bekommt man geschickt. Aber die Firmen schicken dir das ja nicht nur, weil sie dich mögen, sondern weil es gepostet wird und sie auch etwas davon haben.

Es ist also eine Win-Win-Situation … und ganz praktisch.

 


 

 

7. „Kann man alles behalten, was man präsentiert?“

Überraschung! Nein! Schön wär’s. Ich müsste nie wieder shoppen gehen, aber leider. Ihr wärt schockiert, wenn ihr wüsstet wie viele Teile der Looks, die ich auf Christl’s Closet präsentiere, wieder zurück gehen. Viele auch nicht.
Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint – im Internet!

 


 

 

8. „Was ist gerade in unter Bloggern?“

Das ist leicht zu beantworten: Avocadobrote, Smoothie Bowls, Finger, die aus einem grauen Wollpulli hervor blitzen mit Ringen an 3-4 Fingern, Lightboxen, ein rosa Mantel von H&M, Rosen, Hüte mit breiter Krempe, Hoodies in Beige und Samt. Ahhh und bevor ich es vergessen: darüber zu jammern, dass das Leben als Blogger kein Wunschkonzert ist und dass alle das selbe machen.
Ich habe jeden einzelnen dieser Trends ausgelassen btw.

 


 

 

9. „Aber können die auch alle etwas anderes?“

Noch eine von diesen Fragen, die ich nicht verstehe. Wieso sollten sie nichts können?! Wie wären sie sonst dorthin gekommen, wo sie sind? Für den Anfang wissen sie wie man einen Computer bedient, eine Webpage befüllt und Fotos hochlädt. Das ist schon viel.
Außerdem gibt es ehemalige Profifußballer, die Onlinemarketing studiert haben. Es gibt Schauspielerinnen, handwerklich unfassbar begabte Frauen, kulinarische Superheroes, die auch Modejournalisten waren, technische Genies, die ihre Liebe zum Zocken in einem Blog verewigen , die als Fußballtrainer arbeiten, Make-Up-Artistinnen, Fotografinnen und Studienabbrecher, die einen coolen Schreibstil haben und sich ganz gut vor der Kamera machen. Also ja, die meisten Blogger sind keine kompletten Vollidioten, die bis zu ihrem „Instafame“ komplett orientierungslos durch’s Leben gelaufen sind.

 


 

 

10. „Wieso posieren die immer auf der Strasse?“

Okay, okay! Die ist berechtigt. Das frag ich mich nämlich auch. Ich schätze mal, eine hat es irgendwann einmal gemacht, es hat funktioniert und alle anderen haben es nachgemacht.
Natürlich kann es passieren, dass man gerade unterwegs ist und sein Outfit so sehr fühlt, dass man es auf der Stelle fotografieren, bearbeiten und hochladen muss. Das leuchtet mir auch nicht ein. Ich schätze mal es ist günstiger auf die Straße, quasi „im echten Leben“ zu posieren,als sich ein Studio anzumieten. Verständlich.
Keine Sorge, ich urteile nicht, vielleicht doch ein bisschen. Ich hab’s jedenfalls auch schon einmal gemacht. Von daher …
Außerdem war es früher so, dass die Journalisten vor den Modeschauen auf der Fashionweek von Fotografen abgelichtet wurden. Mittlerweile laufen Blogger, Wannabes und andere Stylos so lange vor der Location auf und ab, bis sie fotografiert werden. Ich befürchte also, dass die Streetstyle-Fotos eurer Lieblingsblogger eine Art Evolution in der Modewelt ist.

 


 

 

11. „Wieso tust du dir das neben deinem Job an?“

Gegenfrage: Wieso stellt man so engstirnige Fragen? Wieso macht man etwas, das man gerne macht denn? Weil man es gerne macht! Wir drehen uns hier also im Kreis.
Ich bin mir so sicher, dass viel mehr von uns das machen sollten, was sie wirklich gerne machen oder worin sie besonders gut sind. Und selbst wenn man es nur neben dem 9-to-5-Job macht, hauptsache man verwirklicht sich selbst.

 


 

Bitte tut mir den Gefallen und fühlt euch nicht angegriffen, wenn ihr ein Blogger seid. Just get over yourself and macht weiter mit dem, was ihr macht, wenn ihr davon überzeugt seid. Es funktioniert ja offensichtlich. Solltet ihr eine dieser Fragen gestellt haben, ist das auch kein Grund sich zu schämen. Shit happens, the damage is done. Macht es bitte nicht mehr!

 

 

Und wenn ihr wissen wollt, wie ernst ich mein Bloggerdasein nehmen, könnt ihr mir gern auf Instastories (@iamchristlclear) und Snapchat (christlclear) folgen. Ich schwöre hoch und heilig, es ist eine Avocadobrot – Acaischüssel – freie Zone!
Foto: Leni Charles von Studio Unlabeled
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