DON’T CRY ME A RIVER: WARUM WIR ALLE WENIGER RAUNZEN SOLLTEN

DON’T CRY ME A RIVER: WARUM WIR ALLE WENIGER RAUNZEN SOLLTEN

Für all jene unter euch, die dem österreichischem (Ur-)Jargon nicht mächtig sind, gleich vorweg:
„Raunzen“ bedeutet jammern, klagen, nörgeln… quasi chronisch unzufrieden sein.
Etwas worin der Österreicher bekanntlich Weltmeister ist. Immerhin, wenn’s denn sonst nicht so klappt mit den Meisterschaftstiteln.

Eine wahnsinnig nervige Angewohnheit, die ich mittlerweile selbst auch adaptiert habe. Aus welchem Grund auch immer. Denn eigentlich gibt es keinen. Aber irgendwie kommt mir manchmal etwas Negatives viel leichter über die Lippen als etwas Positives und das muss ich mir ganz dringend abgewöhnen. Es bringt ja nichts – außer Falten und schlechte Energie, wieso also damit um sich werfen.

Der heutige Tag ist ein gutes Beispiel: Es ist nämlich Montag und da ist ja bei uns in der ersten Welt bekanntlich alles besonders schlimm. Da ist aufwachen scheiße, bei so einem schönen Wetter arbeiten zu müssen ist auch scheiße und überhaupt ist alles scheiße, wenn man sich ganz fest reinsteigert und wenn ich ein paar Menschen glauben darf, die auf meinem Instagram- oder Facebook-Feed aufpoppen.

 

 

In Wahrheit ist aber alles nur halb so schlimm. Schließlich leben wir in einer sehr privilegierten Welt in der fast alles möglich ist und das scheinen wir ab und an zu vergessen und das obwohl uns die Nachrichten regelmäßig daran erinnern. Nun, ich weiß schon, es ist ein bisschen hart unsere Welt mit einer anderen zu vergleichen in denen Bombenangriffe, Patriarchat, Hunger und Armut zum alltäglichen Gesellschaftsbild gehören, aber wenn man es runter bricht, sitzen wir alle auf dem selben Planeten, aber haben nicht die selben Möglichkeiten.

Solltet ihr diesen Text lesen können, geht es euch besser als vielen anderen Menschen da draußen, ihr könnt nämlich lesen, habt ein elektronisches Gerät, einen Internetzugang und Hände mit denen ihr alles bedienen könnt. Welch guter Zeitpunkt, um ein bisschen runter vom Gas zu treten und umzudenken.

Wer seinen Beruf nicht mag, muss ihn nicht machen. Wir leben in Europa. Im „gut situierten“ Teil von Europa, um genau zu sein. Hier schmeißen Bankangestellte ihren Job hin, um Yoga-Studios zu eröffnen, fertig ausgebildetet Ärzte, schmeißen alles hin, um Schauspieler zu werden. Redakteurinnen geben ihre gemütlichen Arbeitsstellen auf, um eine Weltreise zu machen, Anwälte verzichten auf hohe Honorare und werden Flüchtlingsbeauftragte, Kellner werden Lokalbesitzer, Langzeitfreundinnen werden freiwillig selbstbewusste Singlefrauen und Blogger und Influencer sind aus der Medienwelt nicht mehr wegzudenken.
Ich meine wir leben in einem Land, in dem ein 30jähriger Typ einer konservativen Partei den Arsch retten wird. In unserer Welt ist also alles möglich und daran sollten wir uns regelmäßig erinnern.

Und die berufliche Laufbahn ist nur eines von vielen Dingen, die wir beeinflußen können. Niemand sollte aus Bequemlichkeit, Unsicherheit oder weil es die Gesellschaft verlangt in einer Situation sein, die ihn nicht glücklich macht. Ich bin sogar der Meinung, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn wir alle öfter Dinge machen, die vielleicht etwas unkonventionell sind, aber uns glücklich machen. Wenn das also bedeutet, dass wir immer weniger darauf hören, was Leute sagen und denken, die sich noch nie aus ihrem Hamsterrad rausgetraut haben, dann soll dem so sein. Unter uns: Diese Menschen haben in meiner Welt sowieso nichts mehr zu melden.

 


Raunzen, jammern, herum heulen oder sich in Unzufriedenheit suhlen wird rein gar nichts an der Situation ändern. Eventuell wird man früher oder später einen Realitycheck bekommen, der besonders weh tut. Aber das war’s auch schon.

Also sparen wir uns unsere Energie auf, raunzen ein bisschen weniger und tun dafür mehr für unsere Glückseligkeit.

Aber bitte schiebt jetzt bloß keine Kamikaze-Aktionen. In der Ruhe liegt die Kraft und Beyoncé wurde auch nicht an einem Tag erschaffen. Plant alles, was ihr planen könnt und plant auch die Sachen ein, die ihr nicht einplanen könnt.

Ihr werdet sehen, es wird hart, aber es wird toll. Und ihr werdet so stolz auf euch sein und wenn ihr hinfallt, denkt immer dran Michael Jordan ist aus seinem Highschool-Basketball-Team ausgeschlossen worden, Tina Turner wurde davor gewarnt Ike zu verlassen, weil man dachte sie käme ohne ihn nicht klar. Steve Jobs wurde aus der Firma geworfen, die er gegründet hat und Oprah hat zwei Mal ihren Job verloren, weil man sie für nicht passend für die Medienwelt hielt. They all gave zero fucks, you should to!

Also datet bitte die Person, die Jahre jünger ist als ihr – vorausgesetzt sie ist volljährig. Wechselt noch mal das Studium, wenn ihr es schon seit vielen Semestern hasst, schickt die Typin oder den Typen scheißen, der euch schlecht behandelt, startet das Projekt von dem ihr schon Ewigkeiten redet und trennt euch von den Freunden, die euch nur runterziehen, weil sie chronisch unzufrieden sind und es nicht alleine sein wollen. Wir sind Teil der freien Welt und können (fast) alles tun und lassen, was wir wollen. Wenn wir das nutzen würden, wären wir alle zufriedener und würden weitaus weniger raunzen.

 

 

  

 

P.S.: Ich war übrigens die Queen of Raunzerei. Manchmal bin ich es immer noch, aber ich versuche es wirklich einzuschränken. Ich habe nämlich keine Lust die Bitch von all den beschissenen Dingen zu sein, die mir passiert sind. Dafür gibt es viel zu viel Gutes in meinem Leben über das ich mich freuen kann. Sieht man übrigens alles auf Instagram und auf meinem YouTube-Channel.

Titelbild: Nicky Webb Photography für pio


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