CHRISTLS KOLUMNE: WARUM ICH FREUNDSCHAFTEN BEENDE

CHRISTLS KOLUMNE: WARUM ICH FREUNDSCHAFTEN BEENDE

Ja, ich gehöre zu diesen Menschen, die mit „Freunden“ Schluß machen. Ich weiß das klingt hart, nicht wahr?! Das ist es auch! Es ist nie schön jemanden zu sagen, dass man nicht mehr mit ihm befreundet oder zusammen sein möchte, aber ich glaube fest, dass es manchmal wichtig für einen selbst ist.
Nun, ich muss aber fairerweise zugeben, dass ich was dieses Thema angeht, auch nicht immer richtig gehandelt habe. Ich habe Fehler gemacht, mich nicht so nett ausgedrückt und war manchmal wahrscheinlich härter als notwendig. Das tut mir auch bis heute leid. Was mir allerdings nicht leid tut ist, dass ich es getan habe. Ich würd’s nämlich wieder tun, nur anders.

Manche Leute muss man aber eben gehen lassen. Besonders, wenn sie einem nicht gut tun und/oder wenn sie einem nicht das Beste vom Besten wünschen. Simple as that. Ich habe keine Kapazitäten für Menschen, die sich nirgends so wohl fühlen wie in der Opferrolle. Deren persönlicher Nährboden die Gerüchteküche und das Drama sind und die kein bisschen selbstreflektiert und selbstkritisch sind. Ich will keine Menschen in meiner Umgebung haben, die sich für mich nicht freuen können, wenn es einen Grund zur Freude gibt, sich aber low key ins Fäustchen lachen, wenn es mir schlecht geht. Von skrupellosen Menschen ohne Rückgrat, die über Leichen gehen würden, will ich gar nicht anfangen. Die haben sowieso kein Leiberl bei mir. (Übersetzt für alle Nicht-Wiener: „Die haben sowieso keine Chance bei mir“)

Keine Frage, es ist nicht leicht sich für jemanden zu freuen, wenn es einem selbst nicht gerade gut geht. Wenn man Liebeskummer hat und die beste Freundin frisch verliebt ist. Wenn man seinen Job hasst und der beste Freund seinem Traumjob nachgeht. Wenn man kein Geld hat und die Freundin nur so in Kohle schwimmt. Aber es hat auch niemand behauptet, dass es leicht ist. Ganz im Gegenteil, es ist wahnsinnig schwer, aber das allerwichtigste für einen selbst und für die Freundschaft es trotzdem zu machen. In solchen Fällen muss man sich eben zurück nehmen und sich fragen worum und um wen wirklich geht, wenn es einem schwer fällt sich zu freuen. Im Grunde ist die ganze Geschichte nämlich eine ganz einfach Milchmädchenrechnung und die geht nicht auf, wenn man jemanden, den man mag, nichts gönnt. Punkt. Alles andere macht überhaupt keinen Sinn. Auch nicht, wenn man gerade so verbittert und frustriert ist, dass es einem schwer fällt. „Schwer“ ist in meinem Kopf nämlich nicht unmöglich und somit machbar.

 

 

 

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass nicht alle Menschen gleich ticken und dass manche sich leichter und andere wiederum schwerer tun. Aber wenn ich etwas schmerzlich gelernt habe, dann das nicht immer eine Ausrede sein kann und dass man manchmal eben die Reißleine ziehen sollte. Man kann und sollte immer wieder über einiges hinweg sehen, aber sich alles gefallen lassen, bringt niemanden etwas. Über kurz oder lang macht es die Luft nur dicker. Been there done that, not going back. Wie schon gesagt, ich bin auch kein Kind der Unschuld. Auch ich habe viel zu lange in toxischen Freundschaften ausgeharrt bis ich mich aufraffen konnte sie zu beenden. Und auch von mir haben sich schon Menschen getrennt. Nicht alles und jeder passt zusammen. Und ich habe massenhaft Fehler gemacht in Freundschaften. Aber ich habe wirklich versucht aus ihnen zu lernen.

Ich hatte auch Schwierigkeiten dabei mich für ein paar meiner Freunde zu freuen, als ich ganz unten war. Aber ich habe mich einfach damit auseinander gesetzt, musste mir ehrlich eingestehen, dass das Glück anderer Menschen nichts mit meinem Leben zu tun hat und dass niemand dieser Personen etwas für meine Umstände kann. Und dann läuft’s plötzlich. Eine wahnsinnig mühsame Geschichte und auch ein bisschen schmerzhaft, weil man sich seinen persönlichen Dämonen stellen muss. Aber, wenn man es erstmal geschafft hat, weiß man wieso man sich das überhaupt angetan hat. Der Freundschaft wegen. Von daher nehme ich mich ganz und gar nicht aus, was die Dinge betrifft, die ich da oben stehen.
Wir sind alle Menschen und wir bauen alle Scheiße. Wenn man sich eingesteht, dass man Scheiße gebaut hat und willig ist, etwas dagegen zu tun, ist man schon auf dem richtigen Weg!

 

 

 

 

 

 

Foto: Xenia Trampusch
Looks: Zalando