CHRISTLS KOLUMNE: „IST ES WIRKLICH SO SCHLIMM?“

CHRISTLS KOLUMNE: „IST ES WIRKLICH SO SCHLIMM?“

Das frage ich mich nun schon seit Wochen. Wobei es sich hier um eine rhetorische Frage handelt, weil ich doch tief drinnen weiß, dass es das gar nicht ist. Ich meine, wie sollte es denn auch, ich lebe in der ersten Welt. Und wenn ich sage, erste Welt, dann meine ich in der Stadt mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Da kann es doch in Wahrheit nicht so schlimm sein.
Lassen wir doch einmal mal die wirklich furchtbaren Dinge, wie Verlust und Krankheit außen vor und reden wir um den Bullshit über den wir uns gerne mal den lieben langen Tag beschweren. Das Wetter, die Mitmenschen, die Arbeitskollegen, die Mieten, die politische Lage, das Essen, die eigene Figur, den Partner, die Lebenserhaltungskosten, zu wenig von dem Einem, zu viel von dem Anderen. Jammern auf hohem Niveau ist hierzulande ein Volkssport geworden und es ist nur noch schwer erträglich. 
Schließlich machen uns unsere pipifeinen Lebensumstände fast alles möglich, man muss es nur wollen und annehmen. Uns stehen alle Türen offen und ich hab immer öfter das Gefühl, dass wir das vergessen. Anstatt massenhaft Energie darin zu investieren, dass man seinen Job hasst, könnte man sich einen neuen suchen. Punkt. Das klingt jetzt harsch und naiv, aber im Grunde ist es nichts anderes. Niemand sagt, dass es einfach sein wird oder schnell gehen wird. Und niemand behauptet, dass man es sofort und ohne Plan machen muss, aber wir müssen nicht in Situationen verharren, die uns nicht happy machen. Und wenn man es doch tut, entscheidet man sich irgendwie dafür.
Jetzt werden der ein oder andere aufschreien oder die Augen verdrehen, aber auch ihr wisst, dass da was dran ist, oder?!
Unter normalen Umständen muss niemand in einer Beziehung bleiben, die ihn nicht glücklich macht. Schon gar nicht aus Gemütlichkeit.
Wer sich in seiner Haut nicht wohl fühlt, kann etwas dagegen tun, körperlich und seelisch. Schwierig wird’s, wenn man sich selbst im Weg steht, aber „schwierig“ bedeutet nicht gleich unmöglich. Man muss nicht mit der Ubahn fahren, wenn man nicht möchte, wem fünf Minuten Wartezeit zu lang sind oder wem der Gestank zu steil wird, kann mit dem Fahrrad fahren, zu Fuss gehen, sich ein Taxi nehmen oder gar selbst mit dem Auto fahren. Life is full of options  und anstatt sich zu beschweren, kann man sie auch einfach nutzen.
Ich schließ‘ mich hier übrigens auch nicht aus. Erst letztens hat mich jemand gefragt wie’s mir geht und wie unser Urlaub war und gleich nachdem ich gesagt habe, dass es mir gut geht und dass es schön war in Griechenland habe ich erwähnen müssen, dass die Heimreise nicht reibungslos verlaufen ist. Als ob es zum guten Ton gehört nicht hundertprozentig zufrieden oder happy zu sein. Dabei war ich es zu dem Zeitpunkt eigentlich. Wie dämlich!

Nur die wenigsten haben wirklich Grund unzufrieden zu sein und wenn wir alle ganz ehrlich sind, wissen wir das auch. Es ist aber auch utopisch zu glauben, dass wir uns das komplett abgewöhnen werden. Dafür geht es uns hier in der ersten Welt einfach viel zu gut. Aber man kann es einschränken. Für das eigene Wohlbefinden, das der anderen und um dem Universum all die negative Energie zu ersparen. 

 

 

 

Foto: Xenia Trampusch