Ich sag’s euch, ich bin in diesem Sommer so oft gebodyshamed worden wie noch nie. Vielleicht weil ich zugenommen habe, vielleicht weil ich mehr Swimwear-Posts veröffentlicht habe, vielleicht aber auch, weil es immer mehr Arschlöcher im Internet gibt. Was auch immer der Grund ist, es macht keinen Unterschied, denn im Grunde ist es so oder so eine Frechheit, wenn man den Körper eines Menschen bewertet … im schlimmsten Fall auch noch öffentlich und auch nur weil man die Person verletzten möchte. 

Keine Sorge @luisaluisiluisa hat eh ein privates Profil und ich bin mir sicher, dass es nicht echt ist.


Nun, die gute Nachricht ist, dass es mich schon lange nicht mehr nervt, wenn mich jemand „dick“ nennt. Wieso denn auch? Solange ich kein Problem mit meinem Aussehen habe, braucht es niemand anderer haben. Schließlich trägt mich dieser Körper seit nun fast 37 Jahren durchs Leben und das ohne gröberer Aussetzer. Wie könnte ich ihn da nicht lieben?! Ganz abgesehen davon, dass für mich Worte wie „fett“, „dick“, „übergewichtig“ oder „blaad“, um es auf gut wienerisch zu sagen, keine Beleidigungen sind, tangieren sie mich einfach nicht mehr. Mit Betonung auf „mehr“. Denn für mich sind Leute, die aus welchem Grund auch immer mehr Kilos auf die Waage bringen, keine Übeltäter. So wie schlankere, kleinere oder größere Personen nicht besser oder schlechter sind. Es sind einfach Menschen, die blöderweise in einer Gesellschaft leben, in der Äußerlichkeiten eine viel zu große Rolle spielen.
Die schlechte Nachricht ist, dass es die meisten von uns nicht so sehen. Geht ja auch gar nicht bei dem Shitload an Blödsinn, den uns die Medienwelt über die Jahre eingebläut hat. Porenfreie, aalglatte Haut, lange, glatte Haare, einen durchtrainierten Körper ohne Dellen und mit dem Minimum an Körperfettanteil, gerade, weiße Zähne und bloß keine Makel. Es ist praktisch nicht möglich an sich selbst zu glauben, wenn man nicht unter einem Stein lebt und keine Medien konsumiert, also macht euch bitte keinen Stress, wenn ihr manchmal Selbstzweifel habt, die hat jeder – auch die Influencer, die gefühlt 8 Mal die Woche Sport macht, um ihr „Bodygoal“ zu erreichen. Trust me. Und da schließe ich mich auch nicht aus. Mich plagen Selbstzweifel genau so, nur eben seltener – mittlerweile. Ich hatte Glück, das Schönheitsideal mit dem ich aufgewachsen bin, hatte nichts mit Bauchmuskeln, glatten Schenkeln und anderen Oberflächlichkeiten zu tun. Da ging’s mehr um Kurven und Rundungen an Frauen, die ich schon als Kind für ihre Stärke und Persönlichkeit bewundert und von denen ich so viel gelernt habe. Dass, das ein Privileg ist, hab ich erst später verstanden. Für mich war’s einfach normal.

Ohne Make-Up und Photoshop, aber mit Farbfilter.


Bitte glaubt jetzt aber auch nicht, dass ich alle schlanken Menschen für persönlichkeitsbefreit, unweiblich oder unmännlich halte. Absolut nicht. Das wäre absurd und würde mich keinen Deut besser machen als die Dummköpfe, die mir gerne Direktmessages schreiben, um mich wissen zu lassen, dass ihnen mein Körper nicht gefällt. I have a life to live und da bleibt nicht viel Zeit für fragwürdige Obsessionen.
Falls es sich bis jetzt noch nicht herum gesprochen hat und man es zwischen den Zeilen nicht lesen kann, ich kann mit sogenannten „Bodygoals“ nicht sonderlich viel anfangen. Es sei denn es handelt sich um gesundheitliche Ziele. Sixpacks, fragwürdige Proportionen, Knackpopo stehen relativ weit unten auf meiner Liste. Sport ist in meinem Fall mehr für die Seele als für den Körper und mein Hauptziel ist es in diesem verrücktem Leben, das ich lebe, am Boden und bei klarem Verstand zu bleiben. Alles andere ist Luxus.
Und wenn ich ganz ehrlich bin, interessiert es mich auch nicht wie das andere handhaben – solange sie mich nicht versuchen zu bekehren. Ich meld mich nämlich sicher, wenn ich mal Crossfit, Hot-Pod-Yoga oder Zirkeltraining machen möchte, I swear. 

Life’s better at the beach…egal wie man gebaut ist.

Ich schweife ab … entschuldigt. Jedenfalls finde ich es wichtig zu hinterfragen wieso man gewisse Dinge tut. Macht man es, weil man sich selbst etwas Gutes tun möchte? Weil es alle machen, weil es in der Gesellschaft anerkannt und cool ist schlank zu sein? Oder damit man keine beleidigenden Nachrichten von Menschen bekommt, die einen auf Grund von Äußerlichkeiten bewerten ohne auch nur jemals ein Wort mit einem gewechselt zu haben. Denn in Wahrheit sind die Hater die ärmsten in diesem Szenario. Schließlich muss es dir echt schlecht gehen, wenn du dich hinter einem privatem oder Fake-Profil versteckst, um die Leute in Ruhe beleidigen zu können. Da hat man es wahrscheinlich mit einem Frustrationslevel auf einem besonders hohem Niveau zu tun. 
Ich hab diesen Blogeintrag übrigens nur geschrieben, weil ich wahnsinnig viele Anfragen darauf bekomme, wie ich den so mutig sein kann, mich im Bikini fotografieren zu lassen oder erhobenen Hauptes im Badeanzug herum laufe und scheinbar nicht darüber nachdenke was die Menschen über mich denken. Und ich muss ehrlich sagen, dass mich diese Fragen an manchen Tagen mehr irritiert als an anderen. In meiner Welt braucht es keinen Mut, um sich selbst zu sein und sich so zu nehmen wie man ist. Es braucht Zeit, Übung und einen diversen Instagram-Feed, indem man nicht nur „pseudo-perfekte“, weiße Menschen sieht, sondern mehr Diversität, in jeder erdenklichen Richtung. Und on top of that, der Reminder, dass ja wohl wirklich das Innere und die Persönlichkeit eines Menschen zählt. Wenn mich also XY im Internet fett nennt, dann soll dem so sein. Solange ich ein guter Mensch bin, der niemanden etwas Böses will, prallt der Blödsinn ab wie auf Teflon. 

Mein Name ist Christl, ich bin 36, trage Konfektionsgröße 40/42 und lebe ganz gut damit.



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