Ich weiß beim besten Willen nicht wer das gerade lesen muss, aber ihr müsst in Zeiten wie diesen gar nichts. Okay, vielleicht nicht „gaaaar nichts“, aber weniges. Ihr müsst zu Hause bleiben, wenn ihr nicht arbeiten, einen kleinen Spaziergang, eine notwendige Besorgung oder jemanden helfen müsst. Einige von uns müssen auch Home Office machen und sich um Kinder oder jemand anderen kümmern, der sich selbst nicht verpflegen kann. Aber das war’s auch schon. 
Ihr müsst weder Sport machen, noch müsst ihr jetzt ein neues Projekt aus dem Boden stampfen, euch jeden Tag schminken, richtige Kleidung anziehen, die Wohnung putzen, ausmisten, abnehmen, die Haare waschen oder so tun als würde euch die aktuelle Situation keine Sorgen bereiten. Ihr müsst das alles nicht tun, wenn ihr nicht möchtet. Nur weil die Social Media Kanäle voll mit sehr privilegierten Menschen sind, die gerade scheinbar ganz gut klar kommen mit den Umständen und dabei aussehen wie frisch aus dem Ei gepellt, heißt das nicht, dass für euch die selben Regeln gelten.
Keine Sorge, ich nehme mich nicht aus. Ich bin eine von den Influencerinnen, die sich jeden Tag schminkt, anzieht, vor die Handykamera setzt und viele von euch mit meinen Stories unterhält. Was viele von euch nicht am Radar haben ist, dass ich schon eines an Erfahrung mit Home-Officing habe, weil ich selbstständig bin und ein eigenes Büro zu Hause habe. Dass das Büro im Moment nur die Requisiten und Abstellkammer für all mein Arbeitszeug ist, ist wieder etwas anderes. Aber grundsätzlich bin ich es gewohnt manchmal tagelang zu Hause zu bleiben und zu arbeiten. Außerdem lässt es sich vielleicht nicht gleich erahnen, aber ich bin auch sehr gerne alleine. Natürlich, wie die meisten, nicht über Wochen, aber ich bin trotzdem sehr gerne für mich, was übrigens nicht heißt, dass ich nicht gerne auch unter Menschen bin. It’s called ambivert“, google it. It’s a thing! Und last but not least, stresst mich der wirtschaftliche Aspekt genauso wie die meisten von uns. Was aber die meisten von euch, die das jetzt hier lesen, nicht wissen ist, dass ich es gewohnt bin kein Geld zu haben. Das klingt jetzt vielleicht etwas fragwürdig, aber lasst mich erklären …
Bis vor nicht all zu langer Zeit war ein dickes fettes Minus auf dem Konto meiner Eltern und dann in späterer Folge auf meinem, trauriger Alltag. Ich habe wirklich lang gebraucht, um das in Ordnung zu bringen und ein Gefühl für Geld zu bekommen. Um ehrlich zu sein, kann ich das erst seit kurzem und auch nicht sonderlich gut, aber ich bemühe mich. Ich hab also Übung im pleite sein. Nicht, dass ich stolz drauf bin oder mich damit brüste aus der Gosse zu kommen. Aber an der Armutsgrenze aufgewachsen zu sein, spielt mir in dieser merkwürdigen Zeit in die Karten. Das lässt mich entspannter  auf eine Zukunft blicken von der ich keine Ahnung habe, wie sie finanziell für mich aussieht. 
Sehen wir doch mal davon ab, dass ich in Wahrheit nur für mich selbst verantwortlich bin. On top, habe ich auch noch einen Mann und muss die Sache gegebenfalls somit nicht alleine stemmen. Außerdem habe ich keine Kinder, um die ich mich sorgen muss. Wenn also alle meine Aufträge weg brechen und der Markus seinen Job verlieren sollte * Klopf auf Holz * , ist das zwar scheiße, aber noch lange nicht so schlimm wie bei einer Familie mit Kindern, Kredit, etc … Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mich darüber freue, wenn es jemand anderen schlimmer trifft als mich, sondern, dass ich mir meiner Privilegien sehr bewusst bin – trotz beschissener Zeiten. Noch so eine Sache, die man nicht wissen kann. All diese Dinge helfen mir jedenfalls dabei diese diese Isolation etwas entspannter auszusitzen als viele andere Menschen. Da kann man dann auch leichter lustigen Content auf Social Media Kanäle posten. Das hat aber per se nichts mit euch zu tun und heißt erst recht nicht, dass euch auch die Sonne aus dem Arsch scheinen muss. 
Lasst euch also bitte nicht einreden, dass ihr euch den Wecker stellen müsst, um jeden Tag um die selben Zeit aufzustehen, damit ihr ja nicht aus dem Rhythmus kommt. Wir leben in (Teil-)Quarantäne!!!! Wann, wenn nicht jetzt auf einen vernünftigen Schlafrhythmus scheißen … natürlich nur so lange das Homeoffice es erlaubt. 
Was ich damit sagen möchte ist: Jetzt ist der undenkbar schlechteste Zeitpunkt, um sich unter Druck zu setzen, übertrieben streng zu sich zu sein oder sich selbst etwas aufzuzwingen, weil es alle machen oder einem zumindest das Gefühl geben es tun zu müssen. Dafür ist die Gesamtsituation einfach viel zu absurd und emotional. 
Können wir uns also bitte darauf einigen, dass ihr REIN GAR NICHTS MÜSST … ausser natürlich zu Hause bleiben, um (emotionaleN) Support bitten, wenn der Lagerkoller einsetzt, euch waschen, euch von Content fern halten, der euch ein schlechtes Gefühl gibt, euch daran erinnern, dass ihr schon viel wildere Dinge durchgemacht habt und so gut es geht einen kühlen Kopf bewahren. 

So kitschig das klingt und ich kann nicht glauben, dass ich das hier wirklich schreibe, aber WIR STEHEN DAS GEMEINSAM DURCH! ❤️

Titelbild: Xenia Trampusch

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